Archiv für November 2009

Auf wiedersehen, Robert!   Leave a comment

Als ich am Dienstag Abend aus der Badewanne kam, erzählte meine Mutter mir, dass Robert Enke tot sei. Sofort ging ich online und suchte nach Infos darüber. Die traurige Gewissheit schockte mich zutiefst. Selbstmord an einem Bahnübergang. Von einer Person, von der man es nie erwartet hätte, wirkte Robert Enke doch immer so sicher und souverän, setzte sich für Tierschutz und Kinder ein und war nicht nur ein klasse Torwart.

Bereits am nächsten Tag war klar: Robert Enke war schwer depressiv, hatte sich aber nie etwas anmerken lassen, sondern die Fassade aufrecht erhalten. Er belog alle über seinen wahren Zustand, auch seinen Therapeuten, der in einer bewegenden Pressekonferenz (Hut ab vor Enkes Frau Teresa, diese Kraft zu haben, keine 24 Stunden nach dem Selbstmord ihres Mannes in der Öffentlichkeit darüber zu sprechen!) erzählte, dass Enke anfangs täglich bei ihm in Behandlung war und unter Versagensängsten litt.

Es nimmt mich immer noch mit.

Ich selber habe jahrelang an Depressionen gelitten, auch ich habe eine Maske getragen und nach außen hin so getan, als sei alles okay. Im Inneren sah es anders aus. Die Seele quält einen Tag und Nacht, man denkt über alles mögliche nach. Man fällt in ein Loch hinein, aus dem man so schnell nicht wieder herauskommt. Einige schaffen es, andere nicht. Entweder sind sie den Rest ihres Lebens in Therapie und auf Psychopharmaka, oder aber sie ziehen den Schlussstrich und nehmen sich das Leben, weil einfach alles zuviel wird, man nicht mehr kann.

Mich kotzt es nur maßlos an, wie in dieser Gesellschaft psychisch Kranke stigmatisiert werden (psychisch krank = automatisch bekloppt, Spinner, was weiß ich was noch alles). Dass dieses Thema ein totales Tabu war. Nicht nur für Menschen wie Robert Enke, die in der Öffentlichkeit standen, sondern auch für „normale“ Menschen. Wir haben eine ernstzunehmende Krankheit, da ist es nicht mit ein paar Pillen und ein paar Tagen Bettruhe getan, nein, das dauert oft JAHRE, bis man da wieder rauskommt. WENN man denn den Ausbruch aus dem Teufelskreis schafft.

Ich hoffe, dass diese Tragödie, die sich am Dienstag Abend abgespielt hat, den psychisch Kranken helfen wird, in der Gesellschaft akzeptiert zu werden und den „Gesunden“ die Augen öffnet, dahingehend, dass die Stigmatisierung und Tabuisierung, die damit einher gehen, ein Ende finden werden. Auch wenn ich persönlich es sehr schlimm finde, dass so etwas erst passieren musste, damit (hoffentlich) eine Änderung geschieht.

Robert Enke wünsche ich, dass er nun an einem Ort ist (zusammen mit seiner kleinen Lara), an dem er den Frieden finden wird, den das Leben ihm nicht (mehr) geben konnte.

Ruhe in Frieden, Robert.

Teresa und der Adoptivtochter Leila (die die beiden erst vor ein paar Monaten adoptiert haben) wünsche ich alle Kraft, die sie nun in dieser schweren Zeit brauchen werden.

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Veröffentlicht 13/11/2009 von Kiwi in Fußball

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