Archiv für März 2011

Wenn Fiktion Realität wird   Leave a comment

Vor kurzem habe ich angefangen, Frank Schätzings „Der Schwarm“ zu lesen. Das Buch hatte mich schon länger interessiert, aber bisher hatte ich irgendwie nie die Gelegenheit, mich diesem Wälzer zu widmen. Das Szenario, das Schätzing heraufbeschwört, ist schon auf eine unheimliche Art faszinierend. Und es lässt den Leser nachdenklich werden (jedenfalls geht es mir so).

Einer der Momente, wo mir irgendwie seltsam zumute war: Schätzing schreibt über Tiefsee-Ölbohrungen vor der Küste Norwegens, welche Risiken dies mit sich bringt, insbesondere im Hinblick auf mögliche Havarien: wie schnell und wie gut kann man an die Unglücksstelle herankommen? Ich finde es schon erschreckend, wie nah diese Überlegungen an der Wirklichkeit liegen, wenn man sich das BP-Fiasko vor der Küste der USA im vergangenen Jahr vor Augen hält. Wie lange es dauerte, bis endlich die Ölquelle versiegelt war, wie viel Liter ins Meer sprudelten und eine gigantische Ölpest auslösten …

Den von Schätzing beschriebenen Feldzug der Natur gegen den Menschen kann man nun auch wieder auf Japan übertragen. Ein schweres Erdbeben mit anschließendem Tsunami verwüstete Teile des Landes, und nun steht auch noch eine Atomkatastrophe bevor. Eine  Kernschmelze in dem verunglückten Atomkraftwerk in Fukushima – der GAU steht bevor. Da ich ja ein echter 80er Jahrgang bin, erinnere ich mich natürlich noch mit Schrecken an den GAU im Atomkraftwerk Tschernobyl, der bis zum heutigen Tage Folgen hat. Nun droht Japan also eine ähnliche Katastrophe – das Kühlsystem ist ausgefallen, verzweifelt bemühte man sich, den Reaktor mit Meerwasser zu kühlen. Gestern war ein Teil des Reaktor 1-Gebäudes nach einer Explosion zerstört worden. Wenn ich mir dieses Fiasko dort im fernen Japan anschaue, frage ich mich einmal mehr, warum unsere (tolle) Regierung einer Verlängerung der Laufzeiten unserer deutschen – und ziemlich veralteten – Atommeiler zugestimmt hat?

Zurück zu Schätzings Buch. Die Natur übt Rache daran, was die Menschheit ihr antut: Überfischung der Ozeane, Raubbau der Regenwälder, Verpesten der Luft überall, Chemikalien, die in Flüsse und Meere abgelassen werden … die Liste ließe sich beliebig fortführen. Ich bin gespannt, wie sich das von ihm beschriebene Szenario weiter gestaltet und was hinter dem aggressiven Verhalten der Meerestiere (denn darum geht es ja in erster Linie – der Angriff der Natur auf den Menschen kommt aus dem Meer) steckt.

 

Veröffentlicht 13/03/2011 von Kiwi in ich, Literatur

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Pokalabend   Leave a comment

Gestern Abend zog ich mir gemütlich zwei Pokalspiele rein. Zuerst das DHB-Pokal-Viertelfinale zwischen den Füchsen Berlin und meinem THW Kiel, meiner großen Handball-Liebe. Ich schau ja schon länger gern Handball, war aber bisher irgendwie immer „vereinslos“. Ich mochte Kiel, Lemgo und aus lokalpatriotischen Gründen die HSG Wetzlar, aber so richtig „Fan“ war ich bisher nicht. Das änderte sich Ende letzten Jahres, als ich irgendwie merkte, dass ich mich stark zum THW Kiel hingezogen fühlte. Inzwischen hab ich auch nen Schal und spreche von den Zebras gern mal als „wir“ oder „uns“. 😉 Nun, gestern Abend gingen wir also in Berlin auf Fuchsjagd, und das auch sehr erfolgreich. Ein bisschen Nervenflattern hatte ich ja doch, da die Füchse etwas überraschend den H$V rausgekegelt hatten. Doch ich brauchte mir keine Sorgen zu machen: meine Jungs hatten das Spiel recht schnell unter Kontrolle. Für mich der endgültige Moment, als es sich zu unseren Gunsten entschied: wir hatten in der zweiten Halbzeit zwischendurch doppelte Unterzahl, da zwei Mann mit einer 2-min-Strafe belegt waren. Für die Füchse die IDEALE Gelegenheit, ranzukommen. Aber Filip Jícha nutzte einen gravierenden Fehler in der Hintermannschaft der Berliner und haute Silvio Heinevetter (lustig, wenn es 7m gibt, wird die tatort-Titelmelodie eingespielt, da er ja mit Simone Thomalla zusammen ist) die Kugel um die Ohren. BAMM. Ab da fiel den Füchsen wirklich nichts mehr ein, um die bärenstark agierenden Zebras in irgendeiner Weise Paroli zu  bieten. So fahren wir also Anfang Mai zum Final Four nach Hamburg, und wenn die Chance, dieses Jahr erneut Meister zu werden, eher gering ist, holen wir eben den Pokal in deren Hütte. *händereib* 👿

Und anschließend schaltete ich dann rüber auf ZDF, wo die Partie Bayern München gegen Schalke 04 im vollen Gange war. Schalke war durch einen Treffer von Raul in der 1. HZ mit 1-0 in Führung gegangen und brachte dieses Ergebnis auch über die Zeit. Nix war’s mit der Titelverteidigung, ätsch FCB! Im Prinzip schaute ich mir dieses Spiel äußerst neutral an, da ich weder Schalke noch den FCB sonderlich sympathisch finde, aber irgendwie war ich dann doch n bissl für Schalke. Auch wegen Manuel Neuer, den für mich zusammen mit Iker Casillas besten Torhüter der Welt. Die „Kunden“ in der Südkurve hatten ja nichts besseres zu tun, als Neuer auszupfeifen und Plakate gegen ihn hochzuhalten. Der Effekt war, dass sie ihn damit wohl nur angestachelt haben. Hähä!!

Somit kriegen wir also ein blau-weißes Finale in Berlin. Und ich freu mich drauf. Es hat ein gewisses Derby-Feeling, da der Finalgegner der MSV Duisburg ist. Ich bin wirklich gespannt, wer von beiden Teams am Ende den Pokal in die Höhe stemmen wird. 🙂

Beziehungsstatus: Fußball!   Leave a comment

Manchmal möchte ich das den Leuten wirklich lauthals entgegen schreien, wenn sie mich wieder mal damit nerven, warum ich eigentlich Dauersingle bin. Es gibt zwar noch einige andere Sportarten, die ich mir gern reinziehe, aber zu keiner habe ich eine so innige und leidenschaftliche Bindung wie zum Fußball. Ich bin damit sozusagen auf die Welt gekommen. Mein Vater hat früher selber gespielt (Tor; später dann Feldspieler) und auch einige Amateurmannschaften trainiert. Meine Mutter war auch schon länger Fußball interessiert, und wenn zwei solche Gene aufeinander prallen, kommt sowas wie ich dabei raus. 😀

Ich hatte zwar schon diverse Teams, die ich mochte, aber wie ja bekannt ist, fiebere und leide ich am meisten mit der Berliner Hertha. Teilweise nimmt das schon etwas groteske Züge an … man sieht mich eigentlich bei fast jeder Gelegenheit mit einem meiner unzähligen Schals, einer Jacke oder auch mit Handschuhen und Mütze in Blau-Weiß herumrennen. Ich kann einfach nicht ohne meinen Verein oder generell ohne mein Fußball. Selber spiele ich zwar nicht, aber meiner Leidenschaft tut das keinen Abbruch. Samstag Nachmittag die Radiokonferenz hören mangels Sky, oder sich vor den PC flacken und via Livestream schauen (gab auch Zeiten, da wurde nicht nur die Bundesliga intensivst verfolgt, sondern auch die EPL und die Primera Division … zur Not eben auch mit chinesischem Kommentar, egal, hauptsache, ich konnte Liverpool und Barça sehen), unter der Woche darf’s auch mal CL oder UEFA Cup (nein, ich weigere mich, das jetzt „Euro League“ zu nennen!) sein, DFB-Pokal und was sonst noch so interessant sein könnte. Nicht selten gurke ich auch kreuz und quer durch die Republik, um die Hertha auswärts zu unterstützen – ein gar wundervoller Weg, die Geografie kennen zu lernen! – und in ein paar Tagen geht’s nach Wiesbaden, zu SV Wehen Wiesbaden vs 1. FC Saarbrücken. , um Kai Gehring bei seinem neuen Verein, 1. FC Saarbrücken, spielen zu sehen.  Ich kenn die „Blechbüchse“ ja schon von x Heimspielen, die ich damals beim SVWW besucht habe (als Kai in der „Zwoten“ kickte, hab ich mir dann eben auch mal die Regionalliga angeschaut …) Und ein Trip nach Saarbrücken ist auch in der Planung, da der Ludwigspark in Saarbrücken ein Stadion ist, wo ich bisher noch nicht war. Ich werde wohl allmählich auf meine alten Tage noch zum Groundhopper?? Keine Ahnung, aber ich weiß, dass Fußball mir sehr, sehr wichtig ist.

In langen, von Depressionen und Panikattacken geprägten Monaten hat der Fußball und meine Liebe zu diesem Sport mir etwas zum „Festhalten“ und „Hochziehen“ gegeben, hat mir immens dabei geholfen, mein Leben noch irgendwie lebenswert erscheinen zu lassen. Hinzu kommt, dass derzeit Fußball für mich auch therapeutische Zwecke erfüllt, indem ich mich wieder in Menschenmengen begebe, da ja in jüngerer Vergangenheit viele Menschen dicht gedrängt und wenn’s geht auf enge(re)m Raum bei mir mehr oder weniger starke Panikattacken ausgelöst haben …

Außerdem kann man sich beim Fußball herrlich abreagieren. Man steht im Block und brüllt rum, schreit seinen Verein nach vorne, feuert ihn an, wird eins mit der Masse um einen herum. Unter der Woche lieb und brav, geht am Spieltag die Post ab. Sau rauslassen, Vollgas in der Kurve. Adrenalin. Torjubel. Entsetzen. Freude. Trauer. Verzweiflung. Frust. Man durchlebt alle möglichen Emotionen … und man weiß vorher nie, was einen diesmal erwartet, was die ganze Angelegenheit ja so prickelnd macht. 🙂 Es ist die Unberechenbarkeit des Sports – der haushohe Favorit stolpert beim Underdog. Die Mannschaft, die wochenlang einsam an der Spitze ihre Kreise zieht, bricht plötzlich ein und die Verfolger können aufschließen. Außenseiter mucken plötzlich auf und spielen sich in einen Rausch. Abstiegskampf. Meisterschaft. Mittelmaß. Es ist alles dabei.

Und das ist das Geile daran – und der Grund, warum ich diesen Sport so liebe.