Archiv für Februar 2011

Verliebt in Berlin   1 comment

Passend zu meinem Header … dieser Song von Kaiserbase fällt mir immer wieder ein, wenn ich an Berlin denke. Ich habe mich in diese Stadt verliebt (und meine Zuneigung zu damals noch West-Berlin, war ja letztendlich auch der Auslöser dafür, dass ich mich für Hertha BSC entschieden habe), und fahre immer wieder gern dorthin. Sei es, um ein Heimspiel zu sehen, oder aber um einfach der Stadt mal wieder einen Besuch abzustatten. So wie im August letzten Jahres, als ich viereinhalb Tage dort war. Wir hatten früher auch Verwandte dort, da mein Vater ja gebürtiger Berliner war, die wir regelmäßig besucht haben. Ich erinnere mich immer noch daran, wie ich als kleines Kind auf der Rückbank im Auto saß und wir den Transit-Abschnitt durch die DDR gefahren sind. Die doppelte Passkontrolle hinter Helmstedt, Einfuhr in den Osten, und dann die Ankunft in der geteilten Stadt. Ab und an waren wir auch mal in den damals für „Wessis“ leicht erreichbaren Teilen Ost-Berlins, und ich weiß noch, dass die dunklen, einsamen U- und S-Bahn-Stationen mich irgendwie gegruselt haben. Doch dann kam ja die Wende, und Berlin wurde kräftig aufpoliert, bekam quasi den Zuschlag, sich nun Hauptstadt Gesamtdeutschlands bezeichnen zu dürfen, erhielt einen großen, modernen Hauptbahnhof (im Osten), das Kanzleramt, Regierungsviertel, der Potsdamer Platz, der früher Niemandsland war, wurde aufgemotzt … und irgendwie ging dabei aber auch ein bisschen was von West-Berlin verloren. Bestes Beispiel der Flughafen Tempelhof, der vor wenigen Jahren geschlossen wurde. Der Bahnhof Zoo, früher DER Bahnhof, wenn es nach Berlin ging, ist nur noch ein Regionalbahnhof, und manchmal habe ich auch das Gefühl, dass der Ostteil der Stadt um einiges attraktiver wurde. Gerade auf’m Ku’damm (meine Tante und mein Onkel wohnten in einer Parallelstraße; man musste 2x um die Ecke und war mittendrin, dennoch war es bei ihnen immer sehr ruhig) hatte ich schon mal das Gefühl, dass es da nicht mehr ganz so sehr „wimmelt“ wie früher.

Zurück zu meinem Ausflug im Sommer:

Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits im Depressionsloch, und während der Zeit dort, habe ich zumindest für ein paar Tage abschalten können. Ich hatte eine Menge Spaß dort.

Ich fühle mich in Berlin pudelwohl, die Stadt ist hip, sie hat einen gewissen Charme, dort tanzt der Bär, sie ist laut, sie ist schnell, aber sie hat auch ihre ruhigen Stellen. Auf einer Postkarte, die ich mal in Spandau am Bahnhof kaufte, steht:

Du bist verrückt mein Kind, Du musst nach Berlin, da wo die Verrückten sind – da gehörst Du hin!

Irgendwie passend, spielt sich doch dort eine Menge alltäglichen Wahnsinns in Form von Verkehrschaos durch z.B. veraltete S-Bahn-Züge, die nur allmählich saniert werden, man findet einen Schmelztiegel verschiedener Kulturen und sonstiger Zuwanderer vor, und noch viele weitere Dinge ab. Nicht zu vergessen hat Berlin einiges zu bieten, was im Bereich Sport und kultureller Veranstaltungen wie Konzerte, Filmpremieren etc. liegt. Etwas, das ich so kaum kenne, da ich nunmal ein Landei bin und mein ganzes bisheriges Leben in einer verschlafenen Kleinstadt verbracht habe. Daher habe ich den Entschluss gefasst, einen Neuanfang in Berlin zu wagen. Denn jedes Mal, wenn ich nach Berlin reise und mein Zug in Spandau einfährt, habe ich ein Grinsen im Gesicht, und sobald ich Berliner Boden unter den Füßen habe, habe ich das Gefühl, „angekommen“ zu sein und denke: „Hier gehöre ich hin!“ Ich spüre das bei jedem Berlin-Besuch auf’s Neue, und auch immer deutlicher …

Berlin – ich liebe Dich!

Veröffentlicht 22/02/2011 von Kiwi in Berlin, Hertha BSC, ich

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Das Positiv-Buch   Leave a comment

Ja, ich schreibe Tagebuch. So richtig altmodisch, in bunte Kladden, und ich mache das auch schon sehr lange. Ist doch immer wieder herrlich, wenn man Jahre später seine alten Tagebücher hervorkramt und darin blättert und liest – auf wen man alles so während der Teenie-Zeit stand, welche Musik in war, welche TV-Serie gerockt hat, den ganz normalen Wahnsinn eben.

Als ich am Mittwoch kurz in MR war, habe ich eine süße Kladde mit einem Eisbär-Jungen gekauft, obwohl ich noch einige weitere, unbeschriebene Kladden zuhause habe. Heute kam mir dann die Idee, was ich mit diesem neuen „Tagebuch“ machen könnte: ein Positiv-Buch. Ich möchte dort positive Sprüche, Gedanken, Dinge festhalten, um etwas zu haben, wenn ich merke, dass ich einen depressiven Schub bekomme. Etwas, das mich aufbaut, aufheitert und mir Mut macht. Ich möchte es als „Inspirationsquelle“ benutzen.

Heute steht folgender Spruch, den ich von einer Facebook-Application habe, darin zu lesen:

Träume, was Du träumen möchtest. Gehe, wohin Du gehen möchtest. Sei, wer Du sein möchtest, denn Du hast nur ein Leben und eine Chance, die Dinge zu tun, die Du tun möchtest!

Mal schauen, was sich so alles Schönes und Positives in diesem Buch ansammeln wird.

Veröffentlicht 20/02/2011 von Kiwi in ich

Für alle, die mich fragen: „Warum fährst du zum Fußball?“   Leave a comment

An einem verdammten Sonntag sitzt du in einem engen Bus oder Auto. Du bist zu einer unmöglichen Zeit aufgestanden, um den 8 Stunden tingelnden Regionalzug nach Buxtehude zu bekommen. Du schleppst deinen übermüdeten Körper zu einem Auswärtsspiel, wo dein Verein seit über 20 Jahren nicht mehr gewonnen hat.

Dein letztes Geld investierst du für die überteuerte Eintrittskarte und freust dich darauf ein vielleicht denkwürdiges Spiel zu erleben.

Die Fahrt zieht sich in die Länge. In einer ruhigen Minute fragst du dich: “ Was mache ich hier eigentlich? Warum entspanne ich nicht einfach mal wie jeder andere Mensch auf der Couch und schaue mir das Spiel im Fernsehen an?“

Du kommst in der fremden Stadt an, es regnet, und der kalte Wind pfeift dir um die Ohren.
Ohne besonderen Grund wirst du von einem kleinkarierten Dorfpolizisten eine halbe Stunde lang kontrolliert und festgehalten. Du fragst nach Gründen und bekommst als Antwort einen Schlagstock vor die Nase gehalten. Du setzt deinen Weg zum Stadion fort und lässt dich von übermotivierten Ordnern von oben bis unten abtasten, bei „brisanten“ Spielen vielleicht auch noch ausziehen und stehst mit Socken im Schnee. Deine mitgebrachte Fahne wird wegen einer Überlänge von 20 cm verboten.

Du leistest dir ein Getränk, welches deinen Stundenlohn fast überschreitet, und kippst die Hälfte davon weg, weil es zum kotzen schmeckt.

Du zwängst dich in einen überfüllten Gästeblock, wo dir die Sicht durch Werbebanden und Zäune genommen wird. Deine Mannschaft verliert haushoch, und du machst dich auf die endlos dauernde Rückfahrt.

Du kommst zurück in deine Stadt, verpasst natürlich den letzten Nachtbus und gönnst dir ein Taxi, um auf ganze 3 Stunden Schlaf zu kommen.

Ein ganz normales Auswärtsspiel, fast wie jede zweite Woche.

UND WARUM DAS GANZE???

Weil es dein Verein ist, weil du dich zu Tode ärgern würdest, wenn er nach über 20 Jahren dort gewinnt und du wärst nicht dabei gewesen, weil er ein Teil von dir ist und du ein Teil von ihm, weil er dein Leben um einiges bereichert.
Du hilfst ihm nicht, wenn du vor Sky die Daumen drückst.
Nein, stehe im Block und schreie deinen Verein zum Sieg.

Außenstehende kapieren nicht, warum du diesen Weg gehst.

Egal wie weit die Fahrt, schlecht das Spiel und die Leistung der Mannschaft, kurz die Nacht und schmerzhaft die Niederlage war – du machst dich in 2 Wochen wieder auf den Weg ins Nirgendwo. Du tust dir den Stress wieder an, der für dich eigentlich kein Stress ist.

Es ist dein Verein, und nächstes Mal gewinnt dein Verein in der fremden Stadt, und du merkst, wofür du lebst!!!!

Veröffentlicht 18/02/2011 von Kiwi in Fußball

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Man soll es ja nicht für möglich halten …   Leave a comment

… aber ich gehe literarisch sozusagen „fremd“. Normalerweise bin ich im Fantasy-/SciFi-/Thriller-Genre zuhause, lese aber auch gern mal Lustiges, Sachbücher zu verschiedenen Themen, aber was ich für gewöhnlich so gar nicht auf der Liste habe, sind „Frauenbücher“, kitschige Liebesromane sowieso nicht und überhaupt. Ich bin nicht so der Typ für solche Schinken.

Während meines Klinikaufenthaltes bin ich aber über ein Buch gestolpert, dass frau getrost in die Ecke „Frauenkram“ einsortieren kann. Es heißt Dann Gute Nacht, Marie! und irgendwie fand ich die Story ganz ansprechend. Marie ist Informatikerin von  Beruf, befindet sich dort allerdings auf dem Abstellgleis. Mit 35 hat sie auch noch nicht ihren Traumprinzen gefunden, also beschließt sie, sich umzubringen. Doch dafür muss sie erstmal ihr bisheriges Leben aufpolieren: es werden die wenigen Liebesbriefe überarbeitet, peinliche DVDs/Videos/CDs aussortiert, Tagebücher frisiert und zensiert, und der Selbstmord im großen Stil geplant. Schließlich soll man ja ein besseres Bild von Marie haben. So verbringt sie Stunden im Internet, um über Suizid-Formen zu recherchieren, wägt das Pro und Contra jeder Art ab und so weiter. Denn Larifari soll ihr Suizid schließlich nicht sein, sondern schon etwas „Besonderes“. Mit einer Sache hat Marie allerdings nicht gerechnet: je mehr sie sich mit ihrem Plan, ihrem Leben ein Ende zu bereiten, und damit auch dem Leben an sich, beschäftigt, desto mehr merkt sie, dass das Leben durchaus seine schönen Seiten hat.

Viel habe ich bisher noch nicht gelesen, aber bisher finde ich die Geschichte ganz interessant. Marie hat eine ziemlich ironische Art an sich, und das gefällt mir. Mal schauen, wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird. 😉 Außerdem bin ich selber gerade dabei, wieder die schönen Seiten des Lebens kennenzulernen und diese zu genießen, und so ein bisschen finde ich mich bisher auch in Marie wieder. 😉

Veröffentlicht 17/02/2011 von Kiwi in ich, Literatur

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Die schönen Dinge im Leben   Leave a comment

– Heute habe ich mich in Marburg mit einer Freundin getroffen, die ich während meines Klinikaufenthaltes kennen gelernt habe. Wir haben schön zusammen zu Mittag gegessen (Ungarisches Gulasch mit Spätzle und Feldsalat, ich hätte mich reinsetzen können!) und geplaudert. Hat richtig Spaß gemacht. Da sie wohl noch häufiger in MR sein wird, wollen wir uns dann auch immer mal treffen. 🙂

– Der FC St. Pauli hat das -nachgeholte- Stadtderby in Hamburg gewonnen. Sehr schön! Den HSV mag ich aus Prinzip nicht, im Fußball nicht, und beim Handball schon gar nicht. Nee danke. Das hat mich jedenfalls sehr gefreut, dass mein zweitliebster Club dem großen Liga-Dino mal eine vorn Latz geknallt hat. Asamoah traf für den Kiez-Club.

Und wo wir schon mal grad beim Thema „Fußball“ sind … ab jetzt werde ich hier nur noch allgemeine Fußball- und Sport-Themen behandeln, sowie über den ganz normalen alltäglichen Wahnsinn schreiben. Meine Hertha-Beiträge haben ab sofort ihr eigenes Zuhause, und zwar hier. Die alten Hertha-Stories, die hier noch stehen, werde ich hier belassen, aber von jetzt ab gibt’s meinen Senf zum Thema Hertha BSC in einem Extra-Blog. 🙂

Veröffentlicht 16/02/2011 von Kiwi in Fußball, Hertha BSC, ich

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Auswärtsfahren macht Spaß!   Leave a comment

Von Schachfiguren, Choreos, Rowdies, Rauchbomben, Hattricks und einer Fanfreundschaft

Es ist Sonntag Morgen, mein Wecker reißt mich unerbittlich aus den süßen Träumen. Normalerweise drehe ich mich an nem Wochenende um 6h in der Früh noch mal rum und ziehe mir die Decke über den Kopf, nicht aber diesmal. Denn die Auswärtsfahrt nach Karlsruhe stand auf dem Programm. Dank der wirklich bescheuerten Anstoßzeit von 13.30h ging es um 7.35h mit dem Zug nach Frankfurt, von da aus dann weiter nach KA. Im Regionalexpress traf ich zunächst auf Burkhard, einem Hertha-Fan hier aus der Nähe, der mich schon im wkw angeschrieben hatte. So hatte ich da einen Gesprächspartner. In Frankfurt dann schnell ein Gleiswechsel, ich wollte ja mit dem ICE weiter. Der stand bereits auf dem Gleis und wartete auf die Fahrgäste. Rein da und ab nach KA. Um 10h traf ich in KA ein und organisierte mir erstmal was zu futtern (Frühstück um viertel nach sechs etwa, da knurrt dann doch der Magen irgendwann) und zu trinken und dann erstmal gucken, was in KA so los ist. Das letzte Mal war ich ja im Mai 2009 da, als wir dort sang- und klanglos untergingen und die CL verspielten.
Gegen 11h etwa traf ich am Stadion ein und wartete auf eine Bekannte, mit der ich im Facebook und via Twitter Kontakt habe. Wir hatten uns via SMS verabredet, und sie ließ auch nicht lang auf sich warten. Inzwischen waren bereits die Stadiontore geöffnet, und die zahlreichen Hertha-Fans strömten schon rein. Der Hauptsponsor des KSC hatte sich auch diesmal wieder etwas einfallen lassen: es gab kleine Fähnchen mit KSC und Hertha Wappen und FAN FREUNDSCHAFT Aufdruck. Wir drei (meine Bekannte hatte noch einen weiteren Twitterer mitgebracht) haben uns die Fähnchen natürlich gern mitgenommen. Nochmal Essen fassen, Klo, Fanstand-Besuch. Ich habe mir noch eine große KSC-Hertha-Fanfreundschaft-Fahne geholt, sowie Anstecker und Aufnäher (bastel an einer Kutte), und dann rein in den Block, der zu diesem Zeitpunkt (etwa zehn nach zwölf) schon gut besucht war. Am Himmel zeigten sich inzwischen einige graue Wolken, die wir gebannt beobachteten, da der Wildpark ja weitestgehend unüberdacht ist. Doch das Wetter spielte mit, und es wurde zwischenzeitlich richtig schön und auch warm.

Genauer betrachtet sind außer uns nur Bauern auf dem Schachbrett

Wir standen etwas weiter oben und konnten daher sehen, dass unten hinterm Zaun einige rot-weiß-rote Fahnen deponiert waren, also sollte es eine Choreo geben. Darauf waren wir natürlich sehr gespannt. Aber erstmal begrüßten wie Maikel Aerts, der zum Warmmachen rauskam.  🙂 Während unser Block schon recht gut gefüllt war, dauerte es bei den KSC-lern etwas länger, und wir dachten schon, auch durch die Info, die ich hier im Forum bekommen hatte, dass da wohl nicht viele kommen würden. Aber nach und nach trudelten auch mehr und mehr KSC-Fans ein, und die Stimmung begann richtig geil zu werden. Unsere Freunde aus Karlsruhe konnten dann auch bald ihre Lieblinge begrüßen, während wir das bei unseren Jungs taten. Insbesondere Publikums-Liebling Patrick Ebert wurde frenetisch gefeiert. Wir sahen dann auch die Vorbereitungen einer Choreo auf KSC-Seite, die mit Schachfiguren zu tun hatte. Inzwischen wurden auch die rot-weiß-roten Fahnen bei uns im Block verteilt, und unser Capo bat uns, diese doch bitte erst zu schwenken, wenn die Spieler einliefen. Woran sich natürlich nicht jeder gehalten hat.  😉
Die Mannschaften verließen wieder den Rasen, um sich für das Einlaufen fertig zu machen, und die Choreo konnte beginnen. Es sah so geil aus, Badner Fahnen, das Schachbrett entlang der Kurve über die Gegengerade, die mit blau-weißen Fahnen wedelten, gekrönt mit einer großen KSC-Hertha-Blockfahne, und dann wir mit den Berlin-Fahnen. Einen Eindruck könnt ihr HIER gewinnen. Motto des Ganzen: „Genauer betrachtet sind außer uns nur Bauern auf dem Schachbrett“.

Und täglich grüßt das Murmeltier …

Die Stimmung war also von Beginn an freundlich und supergut, wir haben lautstark unsere Hertha angefeuert, die KSC-Fans ihren KSC, und irgendwann kam es dann auch wieder zu einem KSC-Hertha-Wechselgesang: aus unserem Block schallte „KARLSRUHE!“ was die KSC-Fans mit „HERTHA!“ beantworteten. Ich krieg immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke! Allein schon dafür lohnt sich ein Ausflug in den Wildpark.  😉  Zunächst fiel einmal mehr die Unsicherheit der Hertha vor dem Tor auf. Man kam zwar in der 1. HZ zu der einen oder anderen guten Gelegenheit, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Anderes Spiel, gleicher Mist, dachte ich. Das kannte ich ja noch aus Paderborn und vor allem aus der letzten Saison zu Genüge. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis es passierte: Karlsruhe bekam einen Freistoß und PENG! war der Ball drin. Cristea brachte die Heimmannschaft unter lautem Jubel mit 1-0 in Führung.  Naaaaa super, sollte also der „Fluch“ weiter bestehen, dass ich einfach der Hertha kein Glück bringe, wenn ich im Stadion bin? Bei den letzten Spielen, bei denen ich war, konnte ich bestenfalls ein Unentschieden sehen. Sieg? Der letzte stammt aus dem August 2008 …  :unsure: Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Pause, und ich telefonierte kurz mit meiner Mom und schrieb einer Freundin eine SMS: „Ich tu mir das jetzt nicht mehr an! Wir liegen wieder mal hinten …“ Meine Mom meinte nur, dass ich das doch dann jetzt lassen solle, zur Hertha zu fahren. Keiner von uns konnte wissen, was in der 2. Halbzeit geschehen würde … 😉

Patrick Ebert, du alter Rowdy … trittst den Spiegel ab, machst Kratzer in den Lack und schmeißt den Roller um

Was auch immer Markus Babbel den Jungs in der Pause gesagt hat, es trug Früchte … aber WIE!!! Was in der 2. HZ folgte, stellt alles in den Schatten, was ich bisher im Fußball erlebt habe, wenn ich live dabei war.

Der Wahnsinn begann, ab der 47. Minute. Raffael bekam das Leder und zimmerte den Ball ins Tor von Luis Robles. 1-1. Im Block ging die Party ab. „Wir, wir woll’n Hertha, wir woll’n Hertha siegen sehen. Die ganze Kurve singt im Chor ‚Auf geht’s Hertha, schieß ein Tor‘!“ hatte es bereits in der 1. HZ aus unsrem Block gehallt, und nun war es soweit. Ausgleich. Neben mir fing es plötzlich an zu rauchen und zu stinken. Zwei Witzbolde hinter mir hatten Rauchbomben in blau und weiß gezündet und in die Lücke neben mir geworfen. Mag ja so ganz nett aussehen, aber wenn man das Zeug direkt ins Gesicht kriegt und einatmet, sinkt der Spaßfaktor doch immens.  👿 Für einen Moment ist mir das Vermummungsverbot mal grad schnurzegal, hoch mit dem Schal vor Mund und Nase.  :Lachen: Die Secs kamen natürlich erst, als die Rauchfackeln abgebrannt waren, um sie auszutreten. Äh ja, gut, dass wir darüber gesprochen haben ….

Schließlich traf Babbel die meiner Meinung nach spielentscheidende Entscheidung: er wechselte Patrick Ebert ein. Die Stimmung im Block jetzt: Party-mäßig, schließlich war er ja wegen einer Knieverletzung lange außer Gefecht gesetzt. Und er sollte in den kommenden Minuten eine nicht unwesentliche Rolle spielen … Ebi kriegt die Pille, zieht los in Richtung Tor, sieht Raffael, flankt butterweich auf ihn, der netzt ein – 2-1 für uns.  Ja, wie geil ist das denn?? Endlich darf ich mal wieder Tore in der Fremde bejubeln.  😉 Aus dem Block tönt jetzt „Patrick Ebert, du alter Rowdy … trittst den Spiegel ab, machst Kratzer in den Lack und schmeißt den Roller um!“ Raffa rennt natürlich zu unserem Block und lässt sich – zurecht – feiern. Und er hatte noch nicht genug … kurze Zeit später trifft er zum 3-1. Lupenreiner Hattrick. Für mich das erste Mal, dass ich so etwas live und in Farbe erleben durfte.  :thumbsup:

Der Hertha-Express (immerhin haben wir ja DB als Sponsor) rollte jetzt weiter unermüdlich in Richtung KSC-Tor, und wiederum kurz nach dem 3-1 durften wir jubeln: Ramos erzielte das 4-1. Der Jubel in unserem Block kannte keine Grenzen mehr. Wir versuchten zwar, die KSC-Fans noch einmal zu einem Wechselgesang zu ermutigen, in dem wir „KARLSRUHE!“ riefen, doch die waren zu sehr geknickt, um darauf einzugehen, verständlicherweise. Auch der Capo bat in der Folge, das doch bleiben zu lassen.

Etwa eine Viertelstunde vor Schluss kommt der KSC zum 2-4 durch erneut Cristea, und ich dachte so, das Ding hier ist noch nicht durch, Jungs! Fangt jetzt bloß nicht an zu schludern!

Ich brauchte keine Angst zu haben: Ramos traf nahezu postwendend zum 5-2. Also auch gleich mal was fürs Torverhältnis getan.  „Spitzenreiter, Spitzenreiter! HEY! HEY!“ Kurz vor Ende der Partie versenkte dann auch Raffaels Bruder Ronny, der in der 1. HZ für den verletzten Sebastian Neumann eingewechselt worden war, den Ball zum sechsten Tor für die Hertha. Zugegebenermaßen tat der KSC mir dann doch ein bisschen Leid, so abgeschossen zu werden. Vor allem durch den schnellen Hattrick von Raffael … danach brachen die Jungs nahezu völlig auseinander, trotz des zwischenzeitlichen Anschlusstreffers zum 2-4.

Gute Freunde kann niemand trennen …

MEINE FRESSE. Entschuldigt bitte den Ausdruck, aber ich war sowas von happy! Ich hatte zwar schon einmal ein solches Ergebnis gesehen (Frankfurt gegen Werder Bremen, als Werder in FFM 6-2 gewann), aber das ist keinesfalls vergleichbar mit diesem Spiel, da es bereits in der Pause dort 3-1 für Werder gestanden hatte. Was da gestern im Wildpark abging, werde ich so schnell nicht vergessen.
Ganz starke Aktion von uns: nach dem Abpfiff hallte es „Auf geht’s Karlsruhe kämpfen und siegen!“ aus unserem Block, und ich habe gehört, dass KSC-Fans den Fanbus aus Berlin mit dem Ruf „HA HO HE – HERTHA BSC!“ verabschiedeten – was sie auch schon in ihrem Block nach Abpfiff und Pfeifkonzert für ihre Spieler riefen.

Bleibt noch zu sagen: „HERTHA UND DER KSC – DIE FREUNDSCHAFT!“

Ich wurde dann in Karlsruhe und auf der Rückfahrt im Zug mehrere Male angesprochen, wie denn das Spiel ausgegangen sei, und als ich dann „6-2 für Hertha BSC“ antwortete, waren die Leute entweder geschockt (wenn aus KA) oder baff.

Soviel zu meinem Bericht von gestern, und ich kann jetzt doch auch wieder ruhigen Gewissens zur Hertha fahren – wir gewinnen auch, wenn ich dabei bin.

Veröffentlicht 14/02/2011 von Kiwi in Fußball, Hertha BSC

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