Archiv für das Schlagwort ‘Depressionen

Lebensmotto   Leave a comment

Ich habe schon seit einiger Zeit ein Lebensmotto. Ein Zitat, was mir so gut gefällt, dass ich es sozusagen als „meins“ adoptiert habe.

Life is not about waiting for the storm to pass; it’s about learning to dance in the rain.

In diesem Spruch steckt so viel Wahres drin. Natürlich ist es nicht immer einfach, besonders dann nicht, wenn die Depressionen wieder zuschlagen und man im Grau-in-Grau zu ersticken scheint. Man kann sich jetzt natürlich  hinsetzen und warten, bis dieser Sturm wieder vorbei zieht, aber wer kann schon sagen, wie lange er dauert? Wie lange man damit verbringt – und dementsprechend Zeit darauf verschwendet – zu warten, bis wieder bessere Tage kommen? Warum nimmt man nicht einfach die Situation hin wie sie ist und versucht das Beste daraus zu machen – eben im Regen zu tanzen?

Ich habe sehr lange gebraucht, das für mich zu erkennen. Ich habe immer noch Tage, wo ich gerne zusammengerollt mit Teddy im Arm im Bett liegen und mich vor der Welt verstecken möchte, aber ich habe auch gelernt, mich meiner Problematik zu stellen. Es kann immer wieder mal vorkommen, dass ich kaum das Haus verlassen kann, weil die Panik, in Menschenmengen (Sportveranstaltungen oder Konzerte sind was anderes, da Adrenalin im Spiel ist) zu geraten, mich überkommt. Bus fahren, Einkaufen, … stinknormale Tätigkeiten können zur Qual werden. Klar könnte ich mich verkriechen. Ich kann mich aber auch meiner Angst stellen: Musik auf und ab dafür. Kann zwar unter Umständen für Außenstehende unhöflich oder abweisend wirken, aber mir hilft es.

Im Nachhinein betrachtet, denke ich, ja, bin ich mir sehr sicher, dass mein Zusammenbruch 2010 und die damit verbundenen Klinikaufenthalte sein MUSSTEN, damit ich die Kraft finde, neu anzufangen. Seit ich hier in Berlin bin, haben sich so viele Dinge ergeben – ich kann den Traum inzwischen auch leben. Ob das nun Hertha-Aktionen sind, oder was auch immer. Ich habe begriffen, dass ich eine zweite Chance bekommen habe – und diese nutze ich auch.

Ich habe gelernt, im Regen zu tanzen, egal, ob der Sturm vorbei ist oder nicht. Wenn es auch nicht immer einfach ist. Aber ich mache das Beste aus mir und meinem Leben. Und oft sind es diese Momente, in denen etwas Unvergessliches passiert, wo ich merke: ICH LEBE.

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Veröffentlicht 05/12/2013 von Kiwi in Berlin, ich

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Einheit   Leave a comment

Nein, ich meine damit nicht den Tag der Deutschen Einheit, sondern etwas ganz anderes.

Nachdem ich wochen-, ja fast schon monatelang nur sporadisch in der Muckibude vorbeigeschaut hatte, bin ich nun wieder in einem (halbwegs) regelmäßigen und häufigerem Rhythmus, was das angeht. Die ersten beiden Workouts waren nicht unbedingt die allerbesten, aber dennoch war ich zufrieden, da ich ja, wie gesagt, eine längere Pause gemacht hatte. Und der Muskelkater nach dem ersten Workout vor etwa zwei Wochen war doch übelst, aber nun ja, no pain – no gain!

Als ich jetzt am Dienstag wieder da war, passierte allerdings etwas, was ich schon lange nicht mehr gespürt hatte, einfach auch, weil ich mental neben mir stand. Nicht nur, dass ich das Training ohne irgendwo auf die Pause-Taste (Laufband) hauen oder eine Übung abbrechen zu müssen, voll durchgezogen hatte, nein, ich hatte das Gefühl, dass Kopf und Körper wieder eine Einheit bildeten. Es war, als hätten sich diese inneren Gräben geschlossen, und ich war EINS. Eins mit mir selber, mit meinem Körper. Sogar die 2,5kg Extra-Gewicht an einem Gerät (ich hab 35kg vorgeschrieben, aber neulich hatte ich versehentlich 37,5kg drauf, was aber deutlich mehr rockte … 😀 ) machten nicht wirklich viel aus. Ich bin einfach begeistert – von mir selber (jaaaaa, ich weiß, Eigenlob stinkt, aber hey, n richtig geiles Workout rauszuhauen gibt so viel Auftrieb!!), und davon, was der menschliche Körper doch in der Lage ist zu leisten, selbst WENN frau nicht voll „im Saft“ steht. So kann es gerne weitergehen, und morgen geht’s wieder hin. Denn ich liebe einfach das Gefühl, völlig fertig vom Laufband zu kommen, unter die heiße Dusche zu springen und zu wissen, dass ich etwas geleistet habe. Gerade, wenn man mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, ist dies ungemein hilfreich.

GO BIG OR GO HOME. 😉

Veröffentlicht 05/10/2013 von Kiwi in Berlin, ich

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Fuß fassen   Leave a comment

Allmählich fasse ich hier in Berlin wirklich Fuß. Ich lebe ja nun seit fast zwei Jahren hier, und bisher war es nicht einfach, hier alleine zurecht zu kommen. Aber ich habe mich durchgebissen. Ich wollte den Neuanfang, ich brauchte ihn sogar. Nach meinem Zusammenbruch 2010 war ein kompletter Neustart einfach unabdingbar, denn hätte ich so weiter gemacht, wie vor meinem Klinikaufenthalt, hätte ich mir diesen auch getrost sparen können.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich diesen Zusammenbruch BRAUCHTE, um für das Abenteuer „Großstadt“ das nötige Rüstzeug mitnehmen zu können. Meistert man eine richtig üble Krise, schafft man den nächsten Schritt auch.

Zugegebenermaßen war ich vor einigen Monaten am Verzweifeln, da es jobmäßig einfach nicht laufen wollte. Meinen ersten richtigen Job hier in Berlin verlor ich bereits im März letzten Jahres. Es folgte der Bewerbungsmarathon, bei dem aber nicht wirklich viel herum kam. Ein Weg aus dem Schlamassel schien eine rein schulische Ausbildung zur Erzieherin zu sein, doch dieser Weg entpuppte sich als absolute Sackgasse. Also weitersuchen und sich nicht unterkriegen lassen, auch wenn der Sachbearbeiter auf dem JobCenter bereits mal fragte, ob ich mir das zumindest theoretisch vorstellen könne, in eine andere Stadt zu ziehen. Ja, nee is klar …

Doch dann …

Ich bewarb mich auf eine Stelle als Online-Redakteurin für ein Unternehmen. Diese Stelle habe ich zwar nicht bekommen, aber als Alternative wurde mir eine mehrmonatige Fortbildung zur „Fachfrau für Online-PR und Marketing“ angeboten. Na, DAS passt ja wie Arsch auf Eimer! Internet-Affinität meinerseits sowie ein Hang zum Schreiben bringe ich ohnehin mit, und also nahm ich dieses Angebot dankbar an. Zumal auch die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit der anschließenden Übernahme besteht. Na Halleluja!!!

Seit letztem Montag nun bin ich in dieser Fortbildung. Die erste Woche war bisher noch nicht viel los, gegenseitiges Vorstellen und ähnliche Dinge, aber ich muss sagen, dass mir die Zusammensetzung meiner Mitstreiter und Mitstreiterinnen sehr zusagt. Ein buntes Potpourri verschiedenster Charaktere mit den unterschiedlichsten Backgrounds, Interessen und Lebensgeschichten, aber irgendwie passen wir zusammen. Wir haben gleich mal festgelegt, dass wir keinerlei Mobbing oder Ausgrenzung wollen (so erging es mir ja bei der Erzieher-Sache … *narf*), sondern uns gegenseitig helfen, aufeinander Rücksicht nehmen und eben als richtiges „Team“ fungieren wollen.

Ich denke, von den ersten Eindrücken her, dass ich den Jackpot mit dieser Fortbildung gewonnen habe. Dass ich erstmal durch eine Menge negativer Dinge musste, um dann doch noch wirklich hier „angekommen“ zu sein, Fuß zu fassen, und die Nische zu finden, die mir – beruflich gesehen – zusagt. Es war nicht einfach, kein Bisschen, aber ich habe es geschafft. Weil ich einfach nicht aufgegeben habe, sondern immer weiter gemacht habe, auch wenn es stellenweise mehr als frustrierend war, dass nur Absagen kamen.

Wenn ich etwas nämlich absolut nicht leiden kann, dann sind es Menschen, die den ganzen Tag nur jammern, wie Scheiße ihr Leben ist, aber mit Verlaub gesagt den Arsch nicht hochkriegen, um etwas daran zu ändern, weil Jammern ja die einfachere Variante ist. Sicher braucht man Ausdauer und Durchhaltevermögen, aber wie ich selber im Laufe der Zeit erfahren habe, lohnt es sich, für etwas, das man wirklich will, zu kämpfen. Dann schafft man es auch, sein Leben auf die Reihe zu kriegen.

In diesem Sinne …

 

DON’T STOP BELIEVIN‘!

Veröffentlicht 05/05/2013 von Kiwi in Berlin, ich

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Am Wasser   Leave a comment

Da ja derzeit das Wetter absolut Bombe ist, bin ich immer wieder mal draußen und lasse mir die Sonne auf den Pelz brennen. Ich habe am Montag Nachmittag mal spontan einen Spaziergang ans Havelufer gemacht und mich dort für eine Weile auf ne Bank gesetzt, die Sonne genossen und auf das ruhig dahinfließende Wasser geschaut. Ich gehöre eigentlich nicht zu der Sonnenanbeter-Spezies, aber nach diesem ekelhaften, trüben Wetter der letzten Wochen (ich mag den Winter, aber nicht so, wie er diesmal war … pfui Deibel), war das einfach mal was, was gut tat. SEHR gut sogar.

Während ich also die tanzenden Sonnenstrahlen auf dem Wasser beobachtete, merkte ich, wie ich immer ruhiger wurde. Die vergangenen Wochen waren auch seelisch nicht einfach, mich haben sehr viele, vielleicht sogar ZU viele, Dinge tierisch aufgeregt, und ich war eigentlich ständig unter Strom. Aber da, am Wasser … es war wunderbar ruhig, einfach nur mal ein paar Minuten da sitzen, abschalten. Ich glaube, das werde ich jetzt öfter machen; denn auch meine Therapeutin, der ich gestern von meinem kleinen „Ausflug“ erzählte, bestärkte mich darin, dies zu tun, weil es mir gut tut und ich so einen weiteren sogenannten „Skill“ herausgefunden habe, den ich anwenden kann, wenn diese Welt mir wieder einmal zu laut und zu hektisch wird.

Gleichzeitig „räume ich auf“, d.h. ich habe am Wochenende angefangen, mal die ganzen alten Zeitungen/Zeitschriften, die ich nicht mehr brauche, auszusortieren und wegzuwerfen. Einfach mal in ein (gebrauchtes) Postpaket gestopft und in die Tonne gekloppt. Kurz und schmerzlos. Adios. Als nächstes möchte ich mich nun meinem Bücherregal widmen: nicht aus-, aber umsortieren. Mal schauen, ob das so wird, wie ich mir das vorstelle. 😉

Veröffentlicht 06/03/2013 von Kiwi in Berlin, ich

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Es geht immer noch dümmer.   Leave a comment

Vor zwei Tagen kursierte ein Trend auf Twitter, der mich fassungslos und wütend zugleich machte.

Teenie-Idol Justin Bieber hat kürzlich Gras geraucht und wurde dabei erwischt. No big deal, gibt viele, die das in dem Alter machen, um sich auszuprobieren.

Dummerweise ist die Fanbase von Justin Bieber komplett durchgedreht. Okay, die Bieber-Fans gehen vielen Twitter-Usern sowieso aufn Keks, weil sie jeden Tag stundenlang etwas von Justin in den „trending topics“ haben. Im Prinzip wird jeder Furz, den er lässt, dort gleich mal zum „trending topic“.

Nun allerdings der absolute (negative) Hammer: #cutforJustin

Mit anderen Worten: die Bieber-Fans haben sich GERITZT und das auch noch freudestrahlend gepostet. NUR, WEIL DIESER KNILCH GEKIFFT HAT?! Hallo, geht’s noch?? Leute, die sich wirklich selber verletzen (durch ritzen oder was auch immer) haben meist sehr viel schwerwiegende Probleme als dass das Idol gekifft hat oder so. Man ritzt, weil man die seelischen Schmerzen nicht mehr aushält, weil man das Gefühl hat, dass die Welt einen zugrunde richtet, weil die Verzweiflung zu groß wird, oder aus ähnlichen Gründen. Ich weiß, wovon ich spreche, ich habe das durch, und meine Arme sahen nicht gerade schön aus. Und diese Blagen ritzen aus so einer BELANGLOSIGKEIT?! Okay, selbst WENN sie jung sind, aber das ist einfach nur total daneben. Ein Gör postete sogar ein Foto ihrer blutüberströmten Arme und schrieb „sorry that I couldn’t cut your name, Justin“.

Dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein. Außer, dass ich nicht mehr auf diesem Planeten leben möchte.

Mal im Ernst: was bringt das diesen Kids, wenn sie sich selber verletzen, weil das Idol gekifft hat? Sie helfen Justin dabei nicht, und sich selber auch nicht. Ritzen ist eine sehr ernste Angelegenheit, damit macht man keine Späße…

Idole haben – alles schön und gut, aber DAS geht entschieden zu weit.

Veröffentlicht 09/01/2013 von Kiwi in BÖSE!, Musik

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Beziehungsstatus: Fußball!   Leave a comment

Manchmal möchte ich das den Leuten wirklich lauthals entgegen schreien, wenn sie mich wieder mal damit nerven, warum ich eigentlich Dauersingle bin. Es gibt zwar noch einige andere Sportarten, die ich mir gern reinziehe, aber zu keiner habe ich eine so innige und leidenschaftliche Bindung wie zum Fußball. Ich bin damit sozusagen auf die Welt gekommen. Mein Vater hat früher selber gespielt (Tor; später dann Feldspieler) und auch einige Amateurmannschaften trainiert. Meine Mutter war auch schon länger Fußball interessiert, und wenn zwei solche Gene aufeinander prallen, kommt sowas wie ich dabei raus. 😀

Ich hatte zwar schon diverse Teams, die ich mochte, aber wie ja bekannt ist, fiebere und leide ich am meisten mit der Berliner Hertha. Teilweise nimmt das schon etwas groteske Züge an … man sieht mich eigentlich bei fast jeder Gelegenheit mit einem meiner unzähligen Schals, einer Jacke oder auch mit Handschuhen und Mütze in Blau-Weiß herumrennen. Ich kann einfach nicht ohne meinen Verein oder generell ohne mein Fußball. Selber spiele ich zwar nicht, aber meiner Leidenschaft tut das keinen Abbruch. Samstag Nachmittag die Radiokonferenz hören mangels Sky, oder sich vor den PC flacken und via Livestream schauen (gab auch Zeiten, da wurde nicht nur die Bundesliga intensivst verfolgt, sondern auch die EPL und die Primera Division … zur Not eben auch mit chinesischem Kommentar, egal, hauptsache, ich konnte Liverpool und Barça sehen), unter der Woche darf’s auch mal CL oder UEFA Cup (nein, ich weigere mich, das jetzt „Euro League“ zu nennen!) sein, DFB-Pokal und was sonst noch so interessant sein könnte. Nicht selten gurke ich auch kreuz und quer durch die Republik, um die Hertha auswärts zu unterstützen – ein gar wundervoller Weg, die Geografie kennen zu lernen! – und in ein paar Tagen geht’s nach Wiesbaden, zu SV Wehen Wiesbaden vs 1. FC Saarbrücken. , um Kai Gehring bei seinem neuen Verein, 1. FC Saarbrücken, spielen zu sehen.  Ich kenn die „Blechbüchse“ ja schon von x Heimspielen, die ich damals beim SVWW besucht habe (als Kai in der „Zwoten“ kickte, hab ich mir dann eben auch mal die Regionalliga angeschaut …) Und ein Trip nach Saarbrücken ist auch in der Planung, da der Ludwigspark in Saarbrücken ein Stadion ist, wo ich bisher noch nicht war. Ich werde wohl allmählich auf meine alten Tage noch zum Groundhopper?? Keine Ahnung, aber ich weiß, dass Fußball mir sehr, sehr wichtig ist.

In langen, von Depressionen und Panikattacken geprägten Monaten hat der Fußball und meine Liebe zu diesem Sport mir etwas zum „Festhalten“ und „Hochziehen“ gegeben, hat mir immens dabei geholfen, mein Leben noch irgendwie lebenswert erscheinen zu lassen. Hinzu kommt, dass derzeit Fußball für mich auch therapeutische Zwecke erfüllt, indem ich mich wieder in Menschenmengen begebe, da ja in jüngerer Vergangenheit viele Menschen dicht gedrängt und wenn’s geht auf enge(re)m Raum bei mir mehr oder weniger starke Panikattacken ausgelöst haben …

Außerdem kann man sich beim Fußball herrlich abreagieren. Man steht im Block und brüllt rum, schreit seinen Verein nach vorne, feuert ihn an, wird eins mit der Masse um einen herum. Unter der Woche lieb und brav, geht am Spieltag die Post ab. Sau rauslassen, Vollgas in der Kurve. Adrenalin. Torjubel. Entsetzen. Freude. Trauer. Verzweiflung. Frust. Man durchlebt alle möglichen Emotionen … und man weiß vorher nie, was einen diesmal erwartet, was die ganze Angelegenheit ja so prickelnd macht. 🙂 Es ist die Unberechenbarkeit des Sports – der haushohe Favorit stolpert beim Underdog. Die Mannschaft, die wochenlang einsam an der Spitze ihre Kreise zieht, bricht plötzlich ein und die Verfolger können aufschließen. Außenseiter mucken plötzlich auf und spielen sich in einen Rausch. Abstiegskampf. Meisterschaft. Mittelmaß. Es ist alles dabei.

Und das ist das Geile daran – und der Grund, warum ich diesen Sport so liebe.