Auswärtsfahren macht Spaß!   Leave a comment

Von Schachfiguren, Choreos, Rowdies, Rauchbomben, Hattricks und einer Fanfreundschaft

Es ist Sonntag Morgen, mein Wecker reißt mich unerbittlich aus den süßen Träumen. Normalerweise drehe ich mich an nem Wochenende um 6h in der Früh noch mal rum und ziehe mir die Decke über den Kopf, nicht aber diesmal. Denn die Auswärtsfahrt nach Karlsruhe stand auf dem Programm. Dank der wirklich bescheuerten Anstoßzeit von 13.30h ging es um 7.35h mit dem Zug nach Frankfurt, von da aus dann weiter nach KA. Im Regionalexpress traf ich zunächst auf Burkhard, einem Hertha-Fan hier aus der Nähe, der mich schon im wkw angeschrieben hatte. So hatte ich da einen Gesprächspartner. In Frankfurt dann schnell ein Gleiswechsel, ich wollte ja mit dem ICE weiter. Der stand bereits auf dem Gleis und wartete auf die Fahrgäste. Rein da und ab nach KA. Um 10h traf ich in KA ein und organisierte mir erstmal was zu futtern (Frühstück um viertel nach sechs etwa, da knurrt dann doch der Magen irgendwann) und zu trinken und dann erstmal gucken, was in KA so los ist. Das letzte Mal war ich ja im Mai 2009 da, als wir dort sang- und klanglos untergingen und die CL verspielten.
Gegen 11h etwa traf ich am Stadion ein und wartete auf eine Bekannte, mit der ich im Facebook und via Twitter Kontakt habe. Wir hatten uns via SMS verabredet, und sie ließ auch nicht lang auf sich warten. Inzwischen waren bereits die Stadiontore geöffnet, und die zahlreichen Hertha-Fans strömten schon rein. Der Hauptsponsor des KSC hatte sich auch diesmal wieder etwas einfallen lassen: es gab kleine Fähnchen mit KSC und Hertha Wappen und FAN FREUNDSCHAFT Aufdruck. Wir drei (meine Bekannte hatte noch einen weiteren Twitterer mitgebracht) haben uns die Fähnchen natürlich gern mitgenommen. Nochmal Essen fassen, Klo, Fanstand-Besuch. Ich habe mir noch eine große KSC-Hertha-Fanfreundschaft-Fahne geholt, sowie Anstecker und Aufnäher (bastel an einer Kutte), und dann rein in den Block, der zu diesem Zeitpunkt (etwa zehn nach zwölf) schon gut besucht war. Am Himmel zeigten sich inzwischen einige graue Wolken, die wir gebannt beobachteten, da der Wildpark ja weitestgehend unüberdacht ist. Doch das Wetter spielte mit, und es wurde zwischenzeitlich richtig schön und auch warm.

Genauer betrachtet sind außer uns nur Bauern auf dem Schachbrett

Wir standen etwas weiter oben und konnten daher sehen, dass unten hinterm Zaun einige rot-weiß-rote Fahnen deponiert waren, also sollte es eine Choreo geben. Darauf waren wir natürlich sehr gespannt. Aber erstmal begrüßten wie Maikel Aerts, der zum Warmmachen rauskam.  🙂 Während unser Block schon recht gut gefüllt war, dauerte es bei den KSC-lern etwas länger, und wir dachten schon, auch durch die Info, die ich hier im Forum bekommen hatte, dass da wohl nicht viele kommen würden. Aber nach und nach trudelten auch mehr und mehr KSC-Fans ein, und die Stimmung begann richtig geil zu werden. Unsere Freunde aus Karlsruhe konnten dann auch bald ihre Lieblinge begrüßen, während wir das bei unseren Jungs taten. Insbesondere Publikums-Liebling Patrick Ebert wurde frenetisch gefeiert. Wir sahen dann auch die Vorbereitungen einer Choreo auf KSC-Seite, die mit Schachfiguren zu tun hatte. Inzwischen wurden auch die rot-weiß-roten Fahnen bei uns im Block verteilt, und unser Capo bat uns, diese doch bitte erst zu schwenken, wenn die Spieler einliefen. Woran sich natürlich nicht jeder gehalten hat.  😉
Die Mannschaften verließen wieder den Rasen, um sich für das Einlaufen fertig zu machen, und die Choreo konnte beginnen. Es sah so geil aus, Badner Fahnen, das Schachbrett entlang der Kurve über die Gegengerade, die mit blau-weißen Fahnen wedelten, gekrönt mit einer großen KSC-Hertha-Blockfahne, und dann wir mit den Berlin-Fahnen. Einen Eindruck könnt ihr HIER gewinnen. Motto des Ganzen: „Genauer betrachtet sind außer uns nur Bauern auf dem Schachbrett“.

Und täglich grüßt das Murmeltier …

Die Stimmung war also von Beginn an freundlich und supergut, wir haben lautstark unsere Hertha angefeuert, die KSC-Fans ihren KSC, und irgendwann kam es dann auch wieder zu einem KSC-Hertha-Wechselgesang: aus unserem Block schallte „KARLSRUHE!“ was die KSC-Fans mit „HERTHA!“ beantworteten. Ich krieg immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke! Allein schon dafür lohnt sich ein Ausflug in den Wildpark.  😉  Zunächst fiel einmal mehr die Unsicherheit der Hertha vor dem Tor auf. Man kam zwar in der 1. HZ zu der einen oder anderen guten Gelegenheit, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Anderes Spiel, gleicher Mist, dachte ich. Das kannte ich ja noch aus Paderborn und vor allem aus der letzten Saison zu Genüge. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis es passierte: Karlsruhe bekam einen Freistoß und PENG! war der Ball drin. Cristea brachte die Heimmannschaft unter lautem Jubel mit 1-0 in Führung.  Naaaaa super, sollte also der „Fluch“ weiter bestehen, dass ich einfach der Hertha kein Glück bringe, wenn ich im Stadion bin? Bei den letzten Spielen, bei denen ich war, konnte ich bestenfalls ein Unentschieden sehen. Sieg? Der letzte stammt aus dem August 2008 …  :unsure: Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Pause, und ich telefonierte kurz mit meiner Mom und schrieb einer Freundin eine SMS: „Ich tu mir das jetzt nicht mehr an! Wir liegen wieder mal hinten …“ Meine Mom meinte nur, dass ich das doch dann jetzt lassen solle, zur Hertha zu fahren. Keiner von uns konnte wissen, was in der 2. Halbzeit geschehen würde … 😉

Patrick Ebert, du alter Rowdy … trittst den Spiegel ab, machst Kratzer in den Lack und schmeißt den Roller um

Was auch immer Markus Babbel den Jungs in der Pause gesagt hat, es trug Früchte … aber WIE!!! Was in der 2. HZ folgte, stellt alles in den Schatten, was ich bisher im Fußball erlebt habe, wenn ich live dabei war.

Der Wahnsinn begann, ab der 47. Minute. Raffael bekam das Leder und zimmerte den Ball ins Tor von Luis Robles. 1-1. Im Block ging die Party ab. „Wir, wir woll’n Hertha, wir woll’n Hertha siegen sehen. Die ganze Kurve singt im Chor ‚Auf geht’s Hertha, schieß ein Tor‘!“ hatte es bereits in der 1. HZ aus unsrem Block gehallt, und nun war es soweit. Ausgleich. Neben mir fing es plötzlich an zu rauchen und zu stinken. Zwei Witzbolde hinter mir hatten Rauchbomben in blau und weiß gezündet und in die Lücke neben mir geworfen. Mag ja so ganz nett aussehen, aber wenn man das Zeug direkt ins Gesicht kriegt und einatmet, sinkt der Spaßfaktor doch immens.  👿 Für einen Moment ist mir das Vermummungsverbot mal grad schnurzegal, hoch mit dem Schal vor Mund und Nase.  :Lachen: Die Secs kamen natürlich erst, als die Rauchfackeln abgebrannt waren, um sie auszutreten. Äh ja, gut, dass wir darüber gesprochen haben ….

Schließlich traf Babbel die meiner Meinung nach spielentscheidende Entscheidung: er wechselte Patrick Ebert ein. Die Stimmung im Block jetzt: Party-mäßig, schließlich war er ja wegen einer Knieverletzung lange außer Gefecht gesetzt. Und er sollte in den kommenden Minuten eine nicht unwesentliche Rolle spielen … Ebi kriegt die Pille, zieht los in Richtung Tor, sieht Raffael, flankt butterweich auf ihn, der netzt ein – 2-1 für uns.  Ja, wie geil ist das denn?? Endlich darf ich mal wieder Tore in der Fremde bejubeln.  😉 Aus dem Block tönt jetzt „Patrick Ebert, du alter Rowdy … trittst den Spiegel ab, machst Kratzer in den Lack und schmeißt den Roller um!“ Raffa rennt natürlich zu unserem Block und lässt sich – zurecht – feiern. Und er hatte noch nicht genug … kurze Zeit später trifft er zum 3-1. Lupenreiner Hattrick. Für mich das erste Mal, dass ich so etwas live und in Farbe erleben durfte.  :thumbsup:

Der Hertha-Express (immerhin haben wir ja DB als Sponsor) rollte jetzt weiter unermüdlich in Richtung KSC-Tor, und wiederum kurz nach dem 3-1 durften wir jubeln: Ramos erzielte das 4-1. Der Jubel in unserem Block kannte keine Grenzen mehr. Wir versuchten zwar, die KSC-Fans noch einmal zu einem Wechselgesang zu ermutigen, in dem wir „KARLSRUHE!“ riefen, doch die waren zu sehr geknickt, um darauf einzugehen, verständlicherweise. Auch der Capo bat in der Folge, das doch bleiben zu lassen.

Etwa eine Viertelstunde vor Schluss kommt der KSC zum 2-4 durch erneut Cristea, und ich dachte so, das Ding hier ist noch nicht durch, Jungs! Fangt jetzt bloß nicht an zu schludern!

Ich brauchte keine Angst zu haben: Ramos traf nahezu postwendend zum 5-2. Also auch gleich mal was fürs Torverhältnis getan.  „Spitzenreiter, Spitzenreiter! HEY! HEY!“ Kurz vor Ende der Partie versenkte dann auch Raffaels Bruder Ronny, der in der 1. HZ für den verletzten Sebastian Neumann eingewechselt worden war, den Ball zum sechsten Tor für die Hertha. Zugegebenermaßen tat der KSC mir dann doch ein bisschen Leid, so abgeschossen zu werden. Vor allem durch den schnellen Hattrick von Raffael … danach brachen die Jungs nahezu völlig auseinander, trotz des zwischenzeitlichen Anschlusstreffers zum 2-4.

Gute Freunde kann niemand trennen …

MEINE FRESSE. Entschuldigt bitte den Ausdruck, aber ich war sowas von happy! Ich hatte zwar schon einmal ein solches Ergebnis gesehen (Frankfurt gegen Werder Bremen, als Werder in FFM 6-2 gewann), aber das ist keinesfalls vergleichbar mit diesem Spiel, da es bereits in der Pause dort 3-1 für Werder gestanden hatte. Was da gestern im Wildpark abging, werde ich so schnell nicht vergessen.
Ganz starke Aktion von uns: nach dem Abpfiff hallte es „Auf geht’s Karlsruhe kämpfen und siegen!“ aus unserem Block, und ich habe gehört, dass KSC-Fans den Fanbus aus Berlin mit dem Ruf „HA HO HE – HERTHA BSC!“ verabschiedeten – was sie auch schon in ihrem Block nach Abpfiff und Pfeifkonzert für ihre Spieler riefen.

Bleibt noch zu sagen: „HERTHA UND DER KSC – DIE FREUNDSCHAFT!“

Ich wurde dann in Karlsruhe und auf der Rückfahrt im Zug mehrere Male angesprochen, wie denn das Spiel ausgegangen sei, und als ich dann „6-2 für Hertha BSC“ antwortete, waren die Leute entweder geschockt (wenn aus KA) oder baff.

Soviel zu meinem Bericht von gestern, und ich kann jetzt doch auch wieder ruhigen Gewissens zur Hertha fahren – wir gewinnen auch, wenn ich dabei bin.

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Veröffentlicht 14/02/2011 von Kiwi in Fußball, Hertha BSC

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