Hup Holland!   Leave a comment

Wie kommt man eigentlich dazu, als Deutsche ausgerechnet dem Erzrivalen Niederlande die Daumen zu drücken?

Nun, da muss ich n bissl ausholen. Früher, als ich noch klein war, fand ich die DFB-Elf natürlich toll, inclusive Fan-T-Shirt (welches nach der WM ’90 liebevoll mit Filzstift mit der 8 und HÄSSLER verziert wurde) und einer dicken Tasche mit Deutscher Fußball Bund Aufschrift. Bei der EM 92 in Schweden war auch noch alles im grünen Bereich, aber ein Teil von mir fieberte mit den Dänen mit, die ja aus dem Urlaub geholt wurden, da Jugoslawien aufgrund des Krieges disqualifiziert wurde. Die Dänen spielten im Finale gegen Deutschland und wurden Europameister. Die Deutschen führten sich wie schlechte Verlierer auf, und irgendwie waren die mir dann nicht mehr so sympathisch. Bei der WM 94 in Amiland hatte ich Sympathien für die Iren, und meine Freundin und ich waren beide total in Roberto Baggio verknallt, also drückten wir den Italienern die Daumen. Wir waren jung und brauchten das Geld oder so. *lach* Aber so richtig das Gelbe vom Ei war die Squadra Azzura auch nicht. Ich fand damals dann mal ne Weile lang Juventus Turin toll, aber wie gesagt, es fehlte der gewisse Funke, der das Feuer entfachen sollte. DEN fand ich zwei Jahre später …

CL Halbfinale 1995. Ajax Amsterdam spielte gegen den großen FC Bayern. Mein Dad kannte Ajax noch aus den 70er Jahren und meinte zu mir, ich solle mir die mal anschauen. Was ich tat. Und ich erinnere mich, mit großen Augen und offenem Mund vorm TV gesessen zu haben. Wahnsinn. Nicht mal unbedingt die Tatsache, dass Ajax die Bayern vermöbelte, sondern wie sie spielten, schnell, über die Flügel, offensiv bis zum Geht-nicht-mehr. Overmars, die de Boer-Zwillinge, van der Sar, Davids, Kluivert, Litmanen, Seedorf und wie sie alle hießen. Ich dachte nur „Boah!“ und wurde noch an diesem Abend Ajax-Fan. Das Trikot habe ich immer noch. Ajax gewann dann auch die CL in diesem Jahr.

Ein Jahr später:

Deutschland spielte vor der EM in England ein Freundschaftsspiel gegen die Niederlande. Ich war damals nicht nur „nationalmannschaftslos“, sondern auch auf einem absoluten „Anti-Deutschland-Trip“. Patriotismus ist mir bis heute fremd. Ich sah nur, dass fast die ganze Elftal aus Ajax-Spielern bestand und drückte ihnen zunächst spaßeshalber die Daumen. Das Spiel verloren sie zwar 0-1, gewannen aber einen Fan. Es machte einfach „Klick.“ Dabei ist es bis heute geblieben. Was als „Rebel Yell!“ begann, entwickelte sich zu einer Leidenschaft, die ungebrochen ist. Viele reagieren mit Unverständnis, wenn ich mit Holland-T-Shirt (mittlerweile derer drei) oder gar meinem geliebten 2010-Away-Trikot herumlaufe, aber es ist mir egal. Ich habe mein Herz an diese Truppe verloren.

Heute Abend werde ich ihnen ganz fest vorm TV die Daumen drücken. Es ist mir egal, ob Oktopus Paul einen spanischen Sieg vorher gesagt hat, wichtig is aufm Platz. Und wer weiß – vielleicht gelingt den Oranjes ja der ganz große Wurf.

In diesem Sinne … HUP HOLLAND!

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Veröffentlicht 11/07/2010 von Kiwi in Fußball

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