Hertha – ich lass Dich nie allein!   2 comments

Samstag Morgen. Ich hocke mich um 7.50h in den IC nach Hannover, wo ich ca. anderthalb Stunden Aufenthalt habe, bevor es mit einem weiteren IC nach Berlin-Spandau geht. Es ist arschkalt draußen, ich bin froh, dass sich in meinem Trolley eine Skihose befindet. Ich mache es mir auf meinem Platz bequem, pack mir Musik auf die Ohren und fahre durch den Eisschrank Deutschland. In Hannover angekommen, purzele ich samt Trolley und Rucksack aus dem Zug und watschele eine Etage tiefer, was futtern. In Hannover ist immer was los, bin zwar der einzige Hertha-Fan dort, aber im Laufe der Zeit begegnen mir rudelweise Bayern-Fans, die unterwegs nach Bremen sind, sowie ein paar Bremer. Ich hole mir zwei helle Brötchen in einer Bäckerei und futtere dazu ein Stück Rote Woscht, Zeit totschlagen bis der Zug kommt. Der kommt dann auch, allerdings ist das erstmal einer voller Gladbach-Fans, die natürlich ein Riesenfass aufmachen, von wegen „Scheiß Hannover, Scheiß Hannover!“, „Berlin Berlin, wir fahren nach Berlin!“ und „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“ Ich zwischen zwei Bissen Wurst und Brötchen: „ICH KOMM EUCH GLEICH DA NUFF!“ Der Gladbach-Zug rollt wieder raus. Dafür jetzt eben die ganzen Bayern-Fans. Ich latsche noch ein bisschen im HBF herum, geh noch mal pullern und begebe mich gemütlich auf den Bahnsteig.

Dann endlich der IC Richtung Berlin. Na wird aber auch Zeit! Es ist immer noch arschkalt …

Wir rollen durch ein völlig verschneites Niedersachsen zunächst nach Wolfsburg. Aha, die VW-Arena ist nicht weit weg vom Bahnhof. Mir kommt der Gedanke, man könne ja auch, je nach Zugverbindung, mal im März nach WOB hochschaukeln … das Stadion kenn ich ja auch noch nicht. 😉 Weiter geht’s durch die Pampa, irgendwo hinter Stendal halten wir auf freier Strecke. Naaaaa toll. Der Zug tuckert irgendwann weiter, schließlich ist Spandau in Sichtweite. Raus da und ab in die S-Bahn und zum Hotel. Zwei Stationen weiter steige ich aus und tappere durch ein eiskaltes Berlin zum Hotel. Ich liebe Winter, aber zum Fußball gucken sind diese arktischen Temperaturen nun wirklich nicht förderlich. Egal, es gibt ja warme Klamotten.

Einchecken im Hotel, dann rauf aufs Zimmer und fertig machen fürs Stadion. Ein letzter Toilettengang, den Daheimgebliebenen kurz die Wasserstandsmeldungen durchgeben, sich in die Schwester vom Michelin-Männchen verwandeln (sprich: Skihose, dicke Stiefel, Handschuhe, Hertha-Mütze und -Schals sowie dicke Winterjacke) und ab dafür. Ich wackele zur S-Bahn, betrete diese und gurke eine Station weiter zum Tempel. Ich sehe die Mauern des ehrwürdigen Olympiastadions vor mir und beginne automatisch, schneller zu gehen. Ich bin heiß auf Fußball, trotz klirrender Kälte. Vorm Stadion entdecke ich wieder diese Schalverkäufer, eigentlich bin ich nicht so der Fan dieser „nachgemachten“ bzw. Ultra-Schals, aber in diesem Falle musste ich einen haben – er trägt die Aufschrift „SCHLUSS MIT LUSTIG! BERLIN IST DA!“ Ich kaufe zwei davon, da meine Freundin (Wehen Fan, und seit sie mich kennt, will sie UNBEDINGT mal mit zur Hertha … wie schön, noch eine Masochistin!!) auch einen haben möchte. Ich packe meinen beim letzten Berlin-Aufenthalt gekauften Hertha-Schal (HA HO HE steht drauf) aus und ziehe diesen über mein Gesicht, diese Kälte sticht!! Ich marschiere weiter zum Eingang, ah, DA ist der Mitglieder-Eingang! Rein und ab zur Personenkontrolle. Nach einer ausführlichen Leibesvisitation (warum nicht gleich nen Nacktscanner aufstellen??) bin ich endlich drin und mache mich weiter zur Ostkurve. Immer wieder komme ich an den kleinen mobilen Fanständen vorbei, die natürlich die neuesten T-Shirts AUFHOLJÄGER anbieten … hmmmmm … Ich muss ja eh nach dem Spiel noch in den Fanshop, besagter Freundin noch nen Anstecker besorgen. Mal schauen …

Im Stadion treffe ich mich dann mit zwei Mädels, die ich von LiveJournal kenne. Kurz darauf kommen die Jungs zum Aufwärmen raus. Mal schauen, wie sie so drauf sind, ob Hannover eine Eintagsfliege war oder ob doch wieder ein deutlicher Puls in der schon klinisch toten Patientin HERTHA BSC steckt. Eine Viertelstunde vor Anpfiff legt die Ostkurve richtig los, Stimmung zu machen. Und irgendwie hab ich plötzlich das Gefühl, es könnte mit meinem ersten live-erlebtem Heimsieg klappen.

Zum Spiel selber ist ja schon alles gesagt. Wenige Highlights, Drobny hält den Elfmeter und Nachschuss, Bailly bringt die Herthaner zur Verzweiflung. Als Drobny den Elfmeter hält, ist Party in der Ostkurve, die Fans feiern, als hätten wir gerade die CL gewonnen oder sowas. Immer wieder „Drobny! Drobny!“ Sprechchöre. Ich bin in diesem Moment so happy, dass ich in der Halbzeitpause der Frau neben mir TUC Kekse anbiete. 😛 Die Hertha spielt endlich mal wieder sowas ähnliches wie Fußball. Nach dem lustlosen Kaffeekränzchen an einem Sonntag Nachmittag in Bochum, dem Deppenalarm von Mainz und der Arbeitsverweigerung gegen Nürnberg und Frankfurt, hatte ich endlich mal wieder Spaß, diese Truppe anzufeuern. Meine Füße haben zwar mittlerweile Ähnlichkeit mit dem Eisberg, der die Titanic versenkte, aber ich kann wirklich nicht klagen, dass ich sehr gefroren hätte. 😉

Die Hertha ist zwar bemüht, aber zu „unfähig“, wirklich etwas aus den Chancen zu machen. Shit happens. Warum Funkel nicht wechselt, ist mir nach wie vor unerklärlich, will ich bei einem Stand von 0-0 vor heimischem Publikum in einem SO wichtigen Spiel nicht sehen. Nun, er wird seine Gründe haben.

Nachdem ich mir also 90 min lang die Seele aus dem Hals gesungen und angefeuert habe, mich wieder mal aufgeregt habe, tingele ich in den Fanshop und hole mir als erstes DEN Schal wieder, den ich damals in München getauscht hatte. Dazu noch ein bisschen Hertha-Krimskrams incl. der Anstecker für meine Freundin. Und dann überkommt es mich. ICH WILL ES HABEN. Auch wenn ich nach wie vor nicht mehr daran glaube, aber ich find es geil. Ja, ich habe das Aufholjäger-T-Shirt samt Aufkleber. Warum? Weil ich Hertha-Sachen sammele. :thumbup:

Ich lege meinen Mitgliedsausweis auf die Theke und bekomme meine Prozente (zwar nicht auf das Aufholjäger-T-Shirt, aber auf den ganzen Rest). Ich latsche zurück zur S-Bahn. Anscheinend hat man in Gladbach Schwierigkeiten, den Satz „Bitte von den Türen zurück treten!“ zu verstehen, denn bis diese gerammelt volle S-Bahn, die überwiegend von Gladbachern bevölkert war, endlich mal fahren durfte, dauert es seine Zeit. Danach ist der Bahnsteig fast leer und ich unterhalte mich mit zwei Hertha-Fans aus Hameln. Wir sind eben überall … 😛 Rüber nach Spandau und erstmal ins Maredo, ich brauch ein STEAK!!! Die Kellnerin fragt mich nach dem Spiel, ich gebe bereitwillig Auskunft. Nach dem Essen unterhalte ich mich noch kurz mit drei Gladbach-Fans, die uns für die Saison die Daumen drücken und hoffen, dass wir die Klasse halten werden.

Eine Weile später komme ich dann wieder im Hotel an. Erstmal den Song „Meine Hertha“ von Nadine Wrietz auffe Ohren, dann kurz zuhause anrufen und sagen, wie’s war. Es folgt ein Trip in die Badewanne. Herrlich. Gegen Mitternacht dann habe ich Bubu gemacht, schließlich steht ja noch eine lange Rückfahrt am Sonntag bevor.

Tschüss, Berlin. Aber ich komme wieder. Definitiv. Ich liebe diese Stadt …

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Veröffentlicht 28/01/2010 von Kiwi in Fußball, Hertha BSC

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2 Antworten zu “Hertha – ich lass Dich nie allein!

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  1. Das ist richtig gut geschrieben! Du hast so vile Liebe und Gefühl….

  2. Ich danke Dir sehr für Deine netten Worte! Hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, diese Geschichte zu schreiben. 🙂

    kinnergebottsdach

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